Die wechselhafte Geschichte der Hauptstadt Vietnams

Hanoi, die Hauptstadt und auch zweitgrößte Stadt Vietnams, ist eine faszinierende Mischung aus Ost und West, mit chinesischem Einfluss aus jahrhundertelanger Herrschaft und französischem je ne sais quoi aus der kolonialen Vergangenheit. Die Stadt blieb weitgehend unberührt von der modernen Architektur der 1970er und 80er Jahre und befindet sich nun in einer Phase rascher Umstrukturierung, die sie zu einem aufgehenden Stern Südostasiens macht.

Invasionstruppen aus allen Himmelrichtungen sind sich einig: Hanoi ist eine hervorragende Hauptstadt. Die Chinesen eroberten 1408 die Kaiserstadt La Djai und nannten sie Tong Bình. 1428 vertrieb der Kaiser Le Loi die Eindringlinge und führte den Namen Le Thai To ein. Für seine Bemühungen erhielt er die Krone und man erzählte sich zahlreiche Legenden über seine Heldentaten. Im Jahre 1831 gab die Nguyen-Dynastie der Stadt ihren heutigen Namen, allerdings war Hue zu dieser Zeit Hauptstadt und Machtzentrum Vietnams. 1887 machten die Franzosen Hanoi zur Hauptstadt ganz Indochinas. Nach fast einem Jahrzehnt blutiger Kämpfe wurde Ho-Chi-Minh-Stadt unter den Viet Minh die Hauptstadt Südvietnams und Hanoi blieb Hauptstadt Nordvietnams. Nach der Wiedervereinigung im Jahr 1975 übernahm Hanoi den Titel für das ganze Land.

Die ersten Universitäten nach westlichem Vorbild wurden in Hanoi gegründet. Heute ist die Stadt führendes Zentrum für Wissenschaft und Forschung. Hanoi hat trotz zahlreicher zerstörerischer Kämpfe viel von seinem kolonialen Charme bewahrt. Die Konflikte bewirkten, dass sich moderne Architektur kaum verbreitete. Kaum ein Gebäude in der Innenstadt ist höher als fünf Stockwerke. In der Altstadt findet man neben Hoi An die meisten aneinander liegenden kolonialen und vorkolonialen Bauten, die die schmalen und atmosphärischen Straßen säumen. Im Gegensatz zum Handelsboom in Ho-Chi-Minh-Stadt, erhält sich Hanoi ein eher künstlerisches Flair.

Wenn Sie durch die Straße schlendern, werden Sie feststellen, dass die Menschen häufig das Gespräch mit Touristen suchen. Es gehört zur vietnamesischen Kultur, mit Fremden zu sprechen. Manche fragen, wo Sie herkommen oder stellen andere allgemeine Fragen. Nutzen Sie die Gelegenheit, um etwas über den Alltag und die Lebensweise der Vietnamesen zu erfahren.

Das Klima in Hanoi

Das Tet-Fest ist der höchste Feiertag in Vietnam und findet im Frühjahr statt. Zu dieser Jahreszeit sind die Blumen am schönsten. Das Wetter wird wärmer, gelegentlich kommt es zu leichtem Regenfall. Einheimische glauben, dass dieser leichte Regen Wohlstand und Glück im neuen Jahr bringt.

Der Sommer kann zuweilen recht anstrengend sein. Die Hitze allein wäre in Ordnung, aber in Verbindung mit drückender Schwüle ist sie unangenehm. Zu dieser Zeit sollte man besonders auf ausreichenden Mückenschutz achten, da dies das perfekte Klima für die Vermehrung von Moskitos ist.

Der Herbst in Hanoi ist einzigartig. Das Wetter ist perfekt, mit weniger Luftfeuchtigkeit. Die Temperaturen sinken, so dass man auch schon mal Pullover oder eine leichte Jacke gebrauchen kann. Der Baum cay hoa sua trägt nur im Herbst Blüten, welche einen ganz charakteristischen Duft verströmen. Wenn Sie Hanoi im Herbst besuchen, fragen Sie die Einheimischen nach diesem Baum und wo Sie sein markantes Aroma schnuppern können.

Im Winter kann es kühl und auch feucht werden. In vielen Häusern gibt es keine Heizung. Der Januar ist ein regnerischer Monat und es kann für ein oder zwei Tage oder auch mal die ganze Woche regnen.

Sehenswertes

Museen

Air Force Museum (Bảo Tang Khong Quân): Es gibt einen UH-1-Hubschrauber, sowjetische MiG Kampfmaschinen, einen riesigen Mi-6 Hubschrauber und andere Flugzeuge zu besichtigen.

Fine Arts Museum (Bảo Tang Mỹ Thuat): Es gibt zwar keine Informationen in Englisch, aber es werden interessante Bilder von Soldaten, buddhistische Kunstwerke, revolutionäre Kunst aus der Kriegszeit des 20. Jahrhunderts sowie einige Seidenmalereien ausgestellt.

Ho-Chi-Minh-Mausoleum: Die Stadt im Süden trägt zwar vielleicht seinen Namen, aber Hanoi hat den Mann selbst, wenn auch gegen seinen Willen. Während der Besichtigung darf nicht geredet werden. Freizügige Kleidung (Shorts sollten knielang sein und keine freiliegenden Schultern) oder andere Zeichen der Respektlosigkeit sind nicht erlaubt. Fotos sind nur von außen, vom großen Ba Dinh-Platz gestattet.

Ho Chi Minh Museum: Das strahlend weiße Museum wurde im Jahr 1990 fertiggestellt und soll an weißen Lotus erinnern. Auf der zweiten Etage befinden sich einige Fotos und alte Briefe. Die Hauptausstellungsfläche befindet sich auf der dritten Etage. Dort werden beispielweise Autos, die durch Wände rasen gezeigt, um das Chaos des amerikanischen Nachkriegskapitalismus darzustellen. Das Museum gehört zu den informativsten Vietnams. Führungen gibt es in Englisch, Französisch, Chinesisch und Russisch.

Museum für Völkerkunde (Bao Tang Dan Toc-hoc-Vietnam): Die Ausstellung zeigt die Kultur und die rituellen Praktiken der verschiedenen ethnischen Volksgruppen in ganz Vietnam. Eine der Hauptattraktionen des Museums ist die Open-Air-Ausstellung, die Häuser einiger ethnischer Gruppen und sogar Einwohner in ihren traditionellen Kostümen zeigt.

Revolutionsmusuem (Bảo Tang Cach Mang): Dieses Museum bietet detaillierte Informationen zu den Kriegen gegen Frankreich ab 1858 (ersten Etage) und bis 1975 gegen die USA (im Erdgeschoss). Die Ausstellung befindet sich in einem französischen Kolonialgebäude, welches 1932 fertiggestellt wurde. Dem Architekten Ernest Hébrard gelang eine perfekte Mischung aus französischer Kolonialarchitektur und traditioneller vietnamesischer Architektur. Er entwarf Doppelwände und Balkone für ein natürliches Belüftungssystem und zum Schutz vor Sonneneinstrahlung.

Einsäulenpagode (versteckt zwischen dem Ho-Chi-Minh-Mausoleum und dem Museum): Besucher finden sie entweder charmant und anmutig oder völlig sinnlos, je nachdem, wie viele Reisegruppen sich auf dem kleinen Grundstück tummeln.

Parks

Hoan Kiem-See: Schöner See im Zentrum der Stadt, nur einen kurzen Spaziergang von der Altstadt entfernt. Er ist ein beliebter Treffpunkt der Einheimischen und ein großartiger Ort, um am Morgen Vietnamesen beim Tai Chi zu beobachten oder am Nachmittag ein Buch zu lesen. Hoan Kiem bedeutet "zurückgegebenes Schwert“. Der Name kommt von einer Legende, in der König Le Loi ein magisches Schwert von den Göttern bekommt, welches er verwendet, um die Chinesen zu vertreiben. Als er später mit einem Boot über den See fährt, trifft er auf eine riesige Schildkröte, die das Schwert ergreift und es den Göttern in den Tiefen des Sees zurückgibt. (Sie können eine Version dieser Legende im berühmten Wasserpuppentheater sehen). Gerüchten zufolge lebt die Riesenschildkröte noch heute im Hoan Kiem See.

Lenin-Statue & Park (Dien Bien Phu St, gegenüber dem Armee-Museum). Hier spürt man immer die Vielfalt und Lebendigkeit Hanois. Am Morgen finden Aerobic-Kurse für Jung und Alt statt. Während des Tages kann man die Ruhe im Park genießen, da die Einheimischen dann entweder bei der Arbeit oder in der Schule sind. Am Nachmittag verwandelt sich der Park in einen Kinderspielplatz und einer Sportstätte für Studenten.

Tempel

Literaturtempel: Dieser bedeutende Tempel befindet sich im Westen der Altstadt und beherbergt die berühmte Sammlung der 82 Stelen, die seit 2010 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe gehören.

Ngoc Son Tempel: Der Tempel befindet sich auf einer kleinen Insel im Hoan Kiem See und zeigt die vietnamesische Geschichte sowie die legendäre Riesenschildkröte.